Astrid Lindgren, Carl Michael Bellman und Lisbeth Salander in Stockholm

Die Erfinderin von Pippi Langstrumpf und Autorin zahlreicher weltberühmter Kinderbücher, Astrid Lindgren (1907-2002), wohnte viele Jahre in Stockholm. Heute findet man unweit des Kindermuseums Junibacken im Stadtteil Djurgården ein Denkmal von ihr. Sie sitzt dort und liest aus dem Buch Die Brüder Löwenherz die Schlussverse, die übersetzt lauten: „Oh, Nangilima! Ja, Jonatan. Ja, ich sehe das Licht“. Wechselt man zudem sein Geld in schwedische Kronen lächelt einem Astrid Lindgren zusammen mit Pippi freundlich von den 20-Kronen-Scheinen entgegen. IMG_2762

Auf der Museumsinsel Djurgården stößt man auch auf ein Denkmal des nach Meinung der Landsleute größten schwedischen Dichters Carl Michael Bellman (1740-1795). IMG_2739

Und im hippen Stadtteil Södermalm steht das Haus Fiskargatan 9, in dessen oberer Etage die Romanheldin Lisbeth Salander nach Stieg Larsson (1954-2004) ihre 21-Zimmer-Wohnung besaß, von der aus sie nachts auf Stockholm herabsah. Leider konnte Larsson den Welterfolg seiner Millennium-Trilogie nicht mehr erleben.

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Peter Pohl „Anton, ich mag dich“ – ein Kinderbuch über Freundschaft, Wahrheit und Lüge

anton_ich_mag_dich-9783423625050In seinem Kinderbuch über Freundschaft, Wahrheit und Lüge erzählt der schwedische Schriftsteller Peter Pohl vom geheimnisvollen Außenseiter Anton

Der zehnjährige Jojo bewundert seinen Klassenkameraden Anton, weil dieser herausragend Fußball spielen kann, der Stärkste in der Klasse und „so ein anständiger Kumpel“ ist. Nach einem Sportfest überredet Anton den überraschten Jojo, auch in den Fußballverein einzutreten, in dem Anton bereits kickt, und hilft ihm auch seinen Vater davon zu überzeugen. Jojo ist glücklich über die sich anbahnende Freundschaft, ganz besonders, als Anton immer öfter mit zu ihm nach Hause kommt und dort einmal sogar übernachtet. Auch seine Familie mag Anton, insbesondere seine beiden jüngeren Schwestern Katti und Ulli, was Jojo bereits beginnt, ein wenig zu nerven. Doch nach und nach mischen sich in diese wachsende Freundschaft Misstöne. Nach Hinweisen von seinem Vater glaubt Jojo, dass Anton ihn belügt. Die Anrufe bei Antons Eltern sind offenbar fingiert und stutzig macht Jojo auch, dass Anton immer wieder über andere Handys verfügt.

Das Buch ist in einer eher ungewöhnlichen Erzählperspektive geschrieben, der direkten Du-Anrede, die der schwedische Schriftsteller Peter Pohl bereits in seinem viel beachteten Jugendroman „Nennen wir ihn Anna“ (1990) über Gewalttätigkeiten in einem Jungen-Sommercamp angewendet hat. Im vorliegenden Buch, das sich an eine etwas jüngere Zielgruppe wendet, sind der Ich-Erzähler Jojo und der angesprochene Gegenüber Anton. Das Buch ist routiniert erzählt, auch die Vorliebe des Autors für Mathematik tritt wieder zutage, doch fehlt ihm das besonders nachdrückliche Einfühlungsvermögen, das viele andere Werke von Peter Pohl auszeichnen. In seiner Grundkonzeption erinnert es an sein vielfach prämiertes Jugendbuch „Jan, mein Freund“ (1989).

Anton wohnt in einem 18 Stockwerke hohen Betonklotz im fiktiven Wohnort Alvedal. Als er mehrere Tage beim Training und in der Schule fehlt, wagt sich Jojo dorthin. Er findet einen verstörten und übel zugerichteten Anton vor, der offenbar alleine mit seinem schwer behinderten Onkel in einer verwahrlosten Wohnung lebt. „Anton, ich mag dich“ ist ein Buch über Wahrheit und Lüge, über Sein und Schein, über Realität und Illusion. Anton verzaubert Mitmenschen mit seinen Kunststücken, erringt damit Anerkennung, lenkt aber von seinen wahren Problemen ab.

Peter Pohl wurde 1940 in Hamburg geboren, wanderte mit knapp vier Jahren mit seiner Mutter nach Schweden aus und wurde zunächst selbst zum Außenseiter, später aber Mathematikprofessor und ein sehr erfolgreicher Kinder- und Jugendbuchautor. Für „Jan, mein Freund“ erhielt er 1990 in Deutschen Jugendliteraturpreis, ebenso wie 1995 für die tragische und mit beeindruckender Empathie erzählte Zwillingsgeschichte „Du fehlst mir, du fehlst mir!“. Auf seiner schwedischen Homepage findet man seine Biografie übrigens auch auf Deutsch: http://www.nada.kth.se/~pohl/BioDeutsch.html.

Trotz seinem erneuten und zu begrüßendem Bemühen, auf die Probleme unserer Gesellschaft, die auch Kinder alleine lässt und zu Außenseitern macht, aufmerksam zu machen, kann dieses Kinderbuch nicht wirklich überzeugen. Am Ende, als Anton in einem Heim gelandet ist, soll Jojo Anton einfach vergessen. Der Schlusssatz lautet: „Mit Jungs scheint alles immer gleich so kompliziert zu werden.“ Hier werden die kindlichen Leser, in der großen Mehrzahl sicherlich Jungen, doch sehr ratlos und ohne Trost zurückgelassen.

Peter Pohl: Anton, ich mag dich. Aus dem Schwedischen von Brigitta Kicherer. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2012. 144 Seiten. 7,95 €.