„Müll Macht Tod“ – Frank Schmitter lässt in seinem zweiten Krefeld Krimi einen Lyriker ermorden

schmitter2Mehrere Jahre später als der erste Krimi um Kommissar Tristan Lage („Späte Ruhestörung“, 2006) spielt dieser Roman, der zeitlich allerdings nicht genau datiert ist. Einerseits spricht alles für Ende der 1990er Jahre, andererseits wird im Roman ein zurückliegendes Ereignis aus dem Jahre 2002 erwähnt. Nach einer mehrjährigen Trennung lebt Lage nun wieder mit seiner Ex-Freundin Beate zusammen. Die Nebenhandlung konzentriert sich auf die gemeinsame Familienplanung, was mehrfach zu Missstimmungen, aber letztlich doch zum gewünschten Ergebnis führt.

Der Roman behandelt zwei Themen, die Schmitter miteinander verwebt: die Privatisierung der Abfallwirtschaft, wie sie tatsächlich in Krefeld 1989 beschlossen und anschließend durchgeführt wurde, und der Neid in der lokalen Literaturszene. Das Mordopfer im Stadtteil Forstwald ist der Schriftsteller Kaspar Weiden, der an einem preisverdächtigen Manuskript über die Machenschaften der Müllindustrie arbeitete. Aber der Krefelder Polizeipräsident ist nicht daran interessiert, in den Verwicklungen von Ratsmitgliedern und Stadtangestellten mit der privaten Müllwirtschaft zu stochern. Tristan Lage kann lange nicht erkennen, von welcher Seite der Gesellschaft der Mörder kam. Dann geschieht in einem Innenstadt-Parkhaus ein zweiter Mord. Die Tote ist die verantwortliche Angestellte des Futura-Konzerns, der den mit 50.000 Euro dotierten Literaturpreis ausgeschrieben hat, der Kaspar Weiden nun posthum zugesprochen werden sollte. Obwohl die Korruption in der Abfallwirtschaft eigentlich das spannendere Thema ist, kommt die Mörderin doch aus der egozentrischen Krefelder Literaturszene, die sehr kenntnisreich beschrieben wird.

Auch der zweite Krimi von Frank Schmitter überzeugt mit seinen differenzierten Charakterisierungen und seinem Spannungsbogen. Der platte Titel wird dem ausgesprochen gut geschriebenen Buch nicht gerecht. Leider bleibt es wohl Schmitters letzter Krefeld-Krimi, denn der Autor lebt seit 1991 im Münchener Raum und seine neuen Kriminalromane spielen ebendort.

Frank Schmitter: Müll Macht Tod. Niederrhein Krimi. Emons Verlag, Köln 2009. 255 Seiten.

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Frank Schmitter „Späte Ruhestörung“ – ein spannender Krefeld Krimi

schmitter1Während sich gemeinhin die Bezeichnung „Niederrhein Krimi“ durchgesetzt hat, trägt dieses Buch, das im renommierten Piper Verlag als Paperback erschien, tatsächlich den Untertitel „Ein Krefeld-Krimi“. Leider blieb es das einzige seiner Art.

Der gebürtige Krefelder Frank Schmitter (Jahrgang 1957) lässt seinen Kommissar mit dem sprechenden Namen Tristan Lage in einem brisanten Fall ermitteln. Ausgerechnet der langjährige Oberbürgermeister ist in den Nieper Kuhlen ermordet worden – gestorben an einer Überdosis seines Herzmittels. Lages Ermittlungen führen ihn weit zurück in die Krefelder Geschichte, genauer gesagt zu den letzten Monaten des Nationalsozialismus. Anfang 1945 kämpft das Deutsche Reich an den Fronten mit dem letzten Aufgebot einen aussichtslosen Kampf. Zu Hause helfen abertausende von Fremdarbeitern mit, die Grundversorgung zu sichern. Einer dieser Fremdarbeiter, der in den Krefelder Stahlwerken arbeitet, kommt der Angebeteten des späteren Oberbürgermeisters zu nahe. Letzterer sorgt dafür, dass der Fremdarbeiter von der Gestapo ermordet wird. Diese Vergangenheit holt den Oberbürgermeister schließlich im Dezember 1993 ein – in diesem Monat spielt der gesamte Roman.

Kenntnisreich, weil sehr detailliert recherchiert, führt Frank Schmitter uns den Einsatz von Fremdarbeitern als dunkles und wenig bekanntes Kapitel der deutschen Vergangenheit vor Augen. Auch fast fünfzig Jahre danach schweigen Tristan Lages Eltern zu diesem Thema, exemplarisch für eine ganze Generation.

Als Rahmenhandlung dient das Privatleben von Kommissar Lage, der nach einer dreijährigen Beziehung seit einem Jahr alleine lebt und immer noch nicht über die Trennung hinweg ist. Mit der attraktiven Praktikantin Claudia Poschmann aus Dortmund kommt es dann, entgegen der Erwartungen des Lesers, doch nicht zu mehr als zu einem Zungenkuss in einer Umkleidekabine.

Frank Schmitters Roman ist sehr sorgfältig geschrieben. Die Spannung wird subtil erzeugt. Er legt keinen Wert auf Action, dafür aber umso mehr auf schlüssige und differenzierte Personenbeschreibungen. Schmitter nutzt das Genre des Kriminalromans überzeugend für einen tiefen Einblick in ein sehr unrühmliches Kapitel der deutschen Heimatgeschichte.

Frank Schmitter: Späte Ruhestörung. Ein Krefeld-Krimi. Piper Verlag, München 2006. 284 Seiten.