Frank Schmitter: „die markisen rollen den nachmittag aus“ – bemerkenswerte Gedichte

9783869064659Ein Krimi-Autor, der Gedichte schreibt? Auweia, das kann ja wohl nichts sein. Weit gefehlt! Der Lyrikband, den Frank Schmitter nach drei Kriminalromanen und elf Jahre nach seinem Lyrikdebüt in der angesehenen Lyrikedition 2000 vorlegt, ist überraschenderweise großartig. Das Buch ist in fünf thematische Abschnitte untergliedert: Liebende, Generationen, Landschaften, Passanten und Räume. Der erste Abschnitt ist ohne Zweifel der Stärkste. Hier formuliert Schmitter zeitgemäße Gedichte zu einem Genre, in dem alles bereits gesagt erscheint: Liebesgedichte. Doch Schmitter wartet mit neuen Wendungen auf, die ganz leicht daherkommen: „der herr zahlt alles sagst du / und ich hänge an deinen lippen / lauschgiftsüchtig“ oder „und hier liege ich unter / deinem angewinkeltem arm / und träume ein einziger tropfen zu sein / in der spurrille deiner lippen“.

Frank Schmitter wurde 1957 in Krefeld geboren und publiziert seit 1999. Bekannt war er bislang durch seine vier Kriminalromane mit regionalem Charakter. Das hat sich nun geändert. Sein neuer Lyrikband ist ein kleiner Paukenschlag in der Szene, die immer kunstfertigere Texte drechselt. Schmitter zeigt ihr im fortgeschrittenen Alter, dass es auch ganz einfach geht. Aber das ist sehr schwer, wenn man nicht abgegriffene Formulierungen verwenden will. Diese scheinbare Leichtigkeit zeichnet Schmitters Texte in besonderer Weise aus. Ihre Stärke ist das Verweilen im Augenblick. Der Lyriker Hellmuth Opitz bezeichnet sie als „höchst lebendige Stillleben“. Lieber Herr Schmitter, lassen Sie uns bitte nicht wieder so lange auf Ihren nächsten Gedichtband warten!

Frank Schmitter: die markisen rollen den nachmittag aus. Lyrikedition 2000, München 2012. 72 Seiten, broschiert. 9,50 €

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