Hartwig Mauritz ist mein nächster Gast in der Reihe „1 Gedicht“

3d-waelderkommenaufunszuMein nächster Gast in der Reihe „1 Gedicht“ des Niederrheinischen Literaturhauses Krefeld  ist der Lyriker Hartwig Mauritz. Am Dienstag, dem 21. November, um 20 Uhr wird er an der Gutenbergstraße 21 Beispiele seines bisherigen lyrischen Schaffens lesen und mit mir – und natürlich dem Publikum – näher betrachten. Ich werde wie immer eine Interpretation eines Gedichts vorstellen, das exemplarisch für das lyrische Schaffen meines Gastes steht.

Hartwig Mauritz wurde 1964 in Eckernförde geboren. Er lebt und arbeitet seit vielen Jahren im Aachener Dreiländereck. Mauritz veröffentlichte bislang vier Gedichtbände, zuletzt „wälder kommen auf uns zu“ (2017). Seine Gedichte verknüpfen sehr gekonnt naturwissenschaftliche Bereiche mit persönlichen Bezügen. Herauszuheben sind zudem seine poetischen Darstellungen historischer Begebenheiten. Dabei gelingen ihm durch geschickte Verschiebungen von Sinnebenen eindrucksvolle lyrische Texte.

Die Reihe „1 Gedicht“ des Niederrheinischen Literaturhauses Krefeld wurde 2013 eingeführt und wird 2017 erneut von der Kunststiftung NRW gefördert.  Förderschwerpunkt der Kunststiftung NRW für die Sparte Literatur ist, Autorinnen und Autoren in ihrer künstlerischen Produktion zu stärken. Neben Autorenstipendien, der Herausgabe von Werkeditionen und Anthologien geschieht dies durch die Förderung von besonderen literarischen Vorhaben, Lesereihen und Literaturfestivals mit dem Ziel, die Vielfalt des Poetischen vor Ort sichtbar zu machen und über die Grenzen des Landes hinaus zu tragen.

Das Format „1 Gedicht“ will den Zugang zur Gegenwartslyrik eröffnen und zeigen, dass es sich lohnt, Lyrik intensiv zu lesen. Gedichte als inhaltlich stark verdichtete Textart verlangen Lesern in einem erheblich höheren Maß als Prosa Aufmerksamkeit, Lesekompetenz und Einfühlungsvermögen ab. Sie eröffnen eine breitere Palette an Interpretationsmöglichkeiten. Die Reihe will im Diskurs mit dem Publikum Hilfestellung beim Lesen sowie Anregungen zum Interpretieren geben und damit zeigen, dass Lyrik gerade in unserer schnelllebigen Zeit mehr Aufmerksamkeit verdient.

Werbung: Hartwig Mauritz: wälder kommen auf uns zu. Gedichte Rimbaud Verlag, Aachen 2017. 68 Seiten, Klappenbroschur. 15,- €

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Der Arche Literatur Kalender 2018 strahlt Ruhe und Bewegung aus

Der Sommer verabschiedet sich langsam. Gleichwohl mag man noch nicht an das Jahresende denken. Doch die allermeisten Kalender für das kommende Jahr sind bereits gedruckt. Es gibt kaum einen thematischen Bereich, für den es keinen speziellen Kalender gibt. Neben unkäuflichen Varainten wie dem bekannten Pirelli-Kalender, werden die üblichen Abreißkalender, Tages-, Wochen- und Monatskalender angeboten, außerdem natürlich Lehrerkalender, Bauernkalender sowie unfassbar viele Katzenkalender und und und. Mich interessieren natürlich Literaturkalender. Im letzten Jahr habe ich den vorzüglichen Arche Kinder Kalender empfohlen. In diesem Jahr möchte ich den Arche Literatur Kalender 2018 vorstellen. Es ist ein vierfarbig  gedruckter Wandkalender, der jede Woche einen Autor, der in der jeweiligen Woche geboren oder gestorben ist, mit einem Textauszug und einem Foto vorstellt. Die Auswahl ist international und deckt in einer ansprechenden Mischung ein breites Literaturspektrum von der Frühromantik bis zur Postmoderne ab, wobei der Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert liegt. Einen besonderen Reiz macht die abwechslungsreiche Abfolge aus, die immer wieder überraschende Bezüge herstellt. So folgt auf Kurt Tucholsky Susan Sontag und auf diese wiederum Derek Walcott, Lars Gustafsson steht vor Simone de Beauvoir und so geht es weiter. Allerdings wäre es schön gewesen, wenn auch einige noch lebende Schriftsteller in die Auswahl mit einbezogen worden wären und nicht nur tote.

Sehr überzeugend wirkt die Bildzusammenstellung, bei der darauf geachtet wurde, nicht die gängigen Autorenfotos zu verwenden. Sie stehen zudem alle in einem thematischen Zusammenhang, denn die Arche Literatur Kalender stehen in jedem Jahr unter einem speziellen Motto. Darin unterscheidet sich der vorliegende Kalender auch vom ähnlich gestalteten Literaturkalender des Aufbau Verlages. 2018 heißt das Themenmotto „Ruhe & Bewegung“. Es ist erstaunlich, wie gut es dem Arche Kalender Verlag gelingt, die 53 Autorinnen und Autoren unter diesem thematischen Bogen zu vereinen. In fast allen Fällen sind passendes Bildmaterial und korrespondierende Textauszüge gefunden worden, die teilweise sogar einen neuen Blick auf die Verfasser werfen lassen. Das Titelblatt beispielsweise zeigt Vladimir Nabokov mit Tennisschlägern und seiner Braut Anfang 1920 in Berlin. Im Juni äußert und zeigt sich Henry Miller zum Radfahren, während es Kurt Tucholsky lieber gemütlich angeht und seine Liebe zur Entspannung an der Côte d`Azur in der zweiten Januarwoche formuliert.

Ausführliche biographische Angaben sowie sorgfältige Quellenangaben zum Text- und Bildmaterial ergänzen diesen inspirierenden Kalender. Für mich ist er ein Grund, sich auf das Jahr 2018 zu freuen.

WERBUNG: Arche Literatur Kalender 2018. Arche Kalender Verlag, Zürich-Hamburg 2017. 60 Blätter, 54 Fotos, farbig. 22,- €

Die Pfaueninsel in der Havel bei Potsdam – eine literarische Spurensuche

Wer den großartigen Roman „Pfaueninsel“ von Thomas Hettche gelesen hat, der entwickelt Sehnsucht danach, diesen verwunschenen Ort aufzusuchen. Jedenfalls ging es mir so. In diesem Frühjahr hatte ich nun endlich die Gelegenheit, diesem Wunsch nachzukommen.

Der im Jahr 2014 erschienene Roman von Thomas Hettche spielt zwischen 1820 und 1880 auf der Berliner Pfaueninsel und basiert auf wahren Gegebenheiten. Zentrale Figur ist die kleinwüchsige Maria Dorothea Strakon, die als Königliches Schloßfräulein diese winzige Insel, die man innerhalb einer Stunde umrunden kann, durchgängig bewohnte. Die meisten Gebäude aus der damaligen Zeit – mit Ausnahme des Palmenhauses, das 1880 abbrannte – existieren noch heute, haben all die Kriegswirren und politischen Veränderungen überdauert.

Wolf Jobst Siedler schrieb vor fünfundzwanzig Jahren auch ein schmales Buch über die Pfaueninsel. Es trägt den Untertitel „Spaziergänge in Preußens Arkadien“. Wenn man die Fotos betrachtet, wird man ihn vermutlich gut nachvollziehen können.

Wenn man mit der kleinen Fähre übersetzt, scheint man in einer anderen Zeit anzukommen …

Mirko Bonné findet Spuren des kleinen Prinzen in der Nordsahara

CoverWiderspenstigkeit_WebsiteWer kennt dieses Buch nicht? Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry zählt in ganz Europa zum Kulturgut und ist darüber hinaus eines der meist verkauften Bücher der Welt. Diese märchenhafte Geschichte ist kurz und daher schnell zu lesen. Sie enthält einfache philosophische Aussagen, die bei entsprechender Gelegenheit hartnäckig immer wieder in unser Gedächtnis zurückkehren. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, ist eine solche. Geschenk für die Liebste, Schullektüre und Zitatensammlung für Gottesdienste, dieses schmale Buch, das Saint-Exupéry noch selbst so eingängig illustriert hat, ist alles zugleich. Seit über siebzig Jahren geistert der kleine Prinz durch die Buchhandlungen und begeistert vor allem jüngere Leser. Selbst die unsägliche Verfilmung zu einer Fernsehserie, die außer den Personen nichts mit dem Zauber des Buches gemein hat, konnte dem Erfolg und dem Renommee dieses Buches nichts anhaben. In Düsseldorf existiert ein kleiner Verlag nur von der deutschsprachigen Ausgabe dieses Titels, der Karl Rauch Verlag. Er publiziert fast nichts außer den Werken von Saint-Exupéry, in immer neuen Varianten bis hin zu Merchandisingartikeln. Doch nachdem der Autor bekanntlich 1944 von einem Deutschen über dem Mittelmeer in seinem Aufklärungsflugzeug abgeschossen wurde, endete 2014 der Schutz der Urheberrechte. Lediglich die ursprüngliche Übersetzung ist weiter geschützt. Grund genug für den Karl Rauch Verlag, sich neues Terrain zu erschließen.
Mit Mirko Bonné konnte ein renommierter deutscher Schriftsteller (z. B. Wie wir verschwinden, 2009) für eine Zusammenarbeit gewonnen werden, deren Ergebnis nun vorliegt. Herausgekommen ist ein wunderschön aufgemachtes Buch, wie ich es selten in der Hand gehabt habe. Ein gebundener Band mit strukturiertem Umschlagpapier, zweifarbig gedruckt (schwarz und sandgelb), illustriert mit künstlerischen Schwarzweißfotos und aufgelockert mit Vignetten, dazu ein entsprechend farbiges Lesebändchen. Hinzu kommen ein sehr ansprechendes Layout und hervorragendes, festes, glatt gestrichenes Papier. Für Bücherliebhaber ist dieses Buch wirklich ein Genuss und sogar preiswert. Aber auch der Inhalt kann sich sehen lassen, obwohl das Vorhaben gewagt ist. Bonné begibt sich auf die Spuren von Saint-Exupéry. Tatsächlich findet sein Ich-Erzähler – wenn auch nur in der fiktiven Erzählung – das Flugzeug, mit dem Saint-Exupéry gemeinsam mit seinem Mechaniker André Prévot 1935 in der Nordsahara abstürzte, bevor die beiden nach einem fünftägigen Marsch durch die Wüste von Beduinen gerettet wurden. Dieses Erlebnis bildete Jahre später die Grundlage für die Geschichte um den kleinen Prinzen. Auch Mirko Bonné verwebt nun reale mit surrealen Schilderungen. Märchenhaft wird seine Erzählung dadurch, dass er einem sprechenden Wüstenfuchs begegnet, der als Nachkommen des damaligen Fuchses nach Spuren des kleinen Prinzen sucht. Zwischen diesen beiden entwickeln sich ähnlich philosophisch angereicherte Gespräche, insbesondere über die Widerspenstigkeit, wie in Der kleine Prinz. Das hätte ganz schnell kitschig oder epigonal wirken können, doch Mirko Bonné, dem hier auch seine Begabung als Lyriker zu Gute kommt, umschifft diese großen Untiefen mit erstaunlicher Geschicklichkeit. So legt der Karl Rauch Verlag eine lesenswerte Erzählung über die Wüste und das Leben vor, die der Nachdenklichkeit und der Gelassenheit in den Werken von Antoine de Saint-Exupéry durchaus gerecht wird.

WERBUNG:  Mirko Bonné: Die Widerspenstigkeit. Ein Märchen. Karl Rauch Verlag, Düsseldorf 2017. 128 Seiten, gebunden. 18,- €

Astrid Lindgren, Carl Michael Bellman und Lisbeth Salander in Stockholm

Die Erfinderin von Pippi Langstrumpf und Autorin zahlreicher weltberühmter Kinderbücher, Astrid Lindgren (1907-2002), wohnte viele Jahre in Stockholm. Heute findet man unweit des Kindermuseums Junibacken im Stadtteil Djurgården ein Denkmal von ihr. Sie sitzt dort und liest aus dem Buch Die Brüder Löwenherz die Schlussverse, die übersetzt lauten: „Oh, Nangilima! Ja, Jonatan. Ja, ich sehe das Licht“. Wechselt man zudem sein Geld in schwedische Kronen lächelt einem Astrid Lindgren zusammen mit Pippi freundlich von den 20-Kronen-Scheinen entgegen. IMG_2762

Auf der Museumsinsel Djurgården stößt man auch auf ein Denkmal des nach Meinung der Landsleute größten schwedischen Dichters Carl Michael Bellman (1740-1795). IMG_2739

Und im hippen Stadtteil Södermalm steht das Haus Fiskargatan 9, in dessen oberer Etage die Romanheldin Lisbeth Salander nach Stieg Larsson (1954-2004) ihre 21-Zimmer-Wohnung besaß, von der aus sie nachts auf Stockholm herabsah. Leider konnte Larsson den Welterfolg seiner Millennium-Trilogie nicht mehr erleben.

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„Mach dein erstes Türchen auf! – Anton G. Leitner präsentiert neue Gedichte zur Weihnacht

978-3-15-011080-5-klein„Es treibt der Wind im Winterwalde / die  Flockenherde wie ein Hirt / und manche Tanne ahnt wie balde / sie fromm und lichterheilig wird“. Diese Anfangszeilen aus dem Gedicht Advent von Rainer Maria Rilke konnte ich lange auswendig, bevor ich überhaupt wusste, wer Rilke war. Das Auswendiglernen von Gedichten gehörte bei uns zu Hause zur Weihnachtszeit dazu. Und vermutlich entstand dort auch meine lebenslange Liebe zur Lyrik.

Viele Weihnachtsgedichte kann ich immer noch auswendig. Und als Anton G. Leitner die Idee äußerte, eine Anthologie mit neuer, zeitgemäßer Lyrik zur Weihnacht zusammenzustellen, war ich sofort Feuer und Flamme und beteiligte mich an seiner Ausschreibung. Nun liegt das sehr schön editierte Buch vor. Es enthält auch einen Gedicht von mir: Verheißung.  Mit seinem Erscheinen im Reclam Verlag geht zugleich ein weiterer Kindheitstraum für mich in Erfüllung.

Herausgekommen ist ein lyrischer Weihnachtsmarkt, mit lustiger, nachdenklicher, kurzer, langer und konkreter Poesie. Die Liste der versammelten Autorinnen und Autoren kann sich sehen lassen: sie reicht von Altstars wie Günter Kunert und Ulla Hahn über renommierte Lyrikerinnen wie Tanja Dückers und Barbara Maria Kloos bis zu jungen Nachwuchsschreibern wie Andreas Schumacher und Leander Beil.

Mein Lieblingsgedicht stammt von Hellmuth Opitz und behandelt die seltsam leere Zeit nach den Weihnachtstagen und trägt den Titel Die Zeit zwischen den Jahren. Es beginnt so:

„Tage, die leben wollen und nicht sterben,
die zerrieben werden zwischen Bäuchen und Bräuchen,
die letzten Krümel Licht in den Auslagen früher Nachmittage,
enttäuschte Gesichter, vom Umtausch ausgeschlossen,
Tage, in denen Einkaufswagen herumstehen, die niemand
zurückbringt, der Bahnhofsvorplatz ein Teller Milchreis
mit Zimt, die Streufahrzeuge kommen kaum durch, …“

Ich kann es schon fast auswendig. Das feine Bändchen Mach dein erstes Türchen auf! eignet sich jedenfalls selbst bestens als Geschenk im Adventskalender – oder unterm Tannenbaum.

Anton G. Leitner (Hrsg.) Mach dein erstes Türchen auf! Neue Gedichte zur Weihnacht. Reclam Verlag, Stuttgart 2016. 96 Seiten, gebunden. 10 €