„Zeitspiel“ – ein neues Magazin für Fußball-Zeitgeschichte

01-titel_zeitspiel_03_final kleinEs gibt ein neues Fußballmagazin anzuzeigen. Das ist bereits eine positive Nachricht. Besonders erfreulich ist jedoch, dass es sich nicht um ein weiteres Online-Format handelt, sondern um eine sauber, vierfarbig gedruckte Zeitschrift. Das Vierteljahresmagazin trägt den passenden Titel „Zeitspiel“, denn es beschäftigt sich vornehmlich mit der Geschichte des Fußballs. Es begreift dabei Fußball als Teil der Gesellschaft und als Teil der weltweiten Kultur. Dabei richtet es den Blick tief in die Vergangenheit, vergisst aber nicht aktuelle Tendenzen zu kommentieren.

Bislang liegen drei Ausgaben vor, die das viel versprechende Konzept nachdrücklich umsetzen. Das erste Heft erschien im Juni letzten Jahres mit dem Schwerpunktthema „Überleben im Turbokapitalismus“. Die folgenden beiden Ausgaben widmeten sich den Titelthemen „Aufstiegsspiele“ sowie „Flucht, Vertreibung, Migration und Integration“. Insbesondere das letzte Thema macht deutlich, wie zeithistorische Themen höchste Aktualität besitzen können. Auf 37 sehr lesenswerten Seiten beleuchten die bekannten Buchautoren Hardy Grüne und Dietrich Schulze-Marmeling sowie Frank Willig die vielfältigen Aspekte dieses Themenkomplexes, angefangen bei den Ursprüngen des deutschen Fußballs 1872 über die polnischen Arbeitermigranten, die in den 20er und 30er Jahren zahlreiche Fußballmannschaften verstärkten – insbesondere bekanntermaßen Schalke 04 -, über jüdische Vereine, italienisch und türkisch geprägte Gastarbeitervereine (Beispiel: Türkiyemspor Berlin) bis hin zu Vereinen, die sich heute die Integration als Leitbild auf die Fahne geschrieben haben, wie der FC Wacker München. Die lange Textlandschaft wird aufgelockert durch zahlreiche Fotos, kurze Fallbeispiele und eine Reihe von Interviews.

2_titel_kleinDie regelmäßigen Rubriken heißen u.a. „Gästeblock“, in dem Stadien vorgestellt werden (Holstein Kiel in Heft 2, Fortuna Köln in Heft 3), „Legende“ (FC Carl Zeiss Jena, Wuppertaler SV), „Fankurve“ (SpVgg Bayreuth, 1. FC Lokomotive Leipzig) und „Zeitspiel International“. Hinzu kommt die Sparte „Was war da los“, die ein besonderes historisches Ereignis aus der Fußballgeschichte beleuchtet. Zentraler Bestandteil jeder Ausgabe ist zudem der Abschnitt „Mottenkiste“, der sich in den ersten vier Ausgaben dem vergessenen oder gar weithin unbekannten Fußball in Schlesien bis 1945 widmet.

Das alles ist verlässlich und fundiert, wenngleich gelegentlich auch etwas spröde erzählt, immer wieder angereichert mit Statistiken, die selten kleinere Fehler oder Unstimmigkeiten enthalten. Am Layout lässt sich sicher auch noch gewinnbringend schrauben.

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist dieser neue Player auf dem Fußballzeitschriftenmarkt sehr zu begrüßen. Noch ist es eine Freizeitnebenbeschäftigung der ambitionierten Herausgeber. Aber es ist durchaus angedacht, diese Zeitschrift, die es bislang nur im Direktbezug gibt, zu professionalisieren. Ich wünsche dafür viel Erfolg. Zwischen dem seriös-langweiligen kicker und der lustigen Wundertüte 11 Freunde ist noch gehörig Raum auf dem Spielfeld. Möge Zeitspiel sich dort etablieren und länger halten als das Magazin Rund, das nach zwei Jahren (2005-2007) von der Verkaufsfläche verschwand und bis heute nur noch im Onlineformat durch das Internet geistert.

Zeitspiel. Magazin für Fußball-Zeitgeschichte. Herausgegeben von Hardy Grüne und Frank Willig. Erscheint vierteljährlich. Heft 2 (III/2015). 90 Seiten. 7,80 € – Heft 3 (I/2016). 98 Seiten. 7,80 €. Bezug: www.zeitspiel-magazin.de 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s