Maria Marcs eindrucksvolle Erinnerungen an ihr Leben mit Franz Marc

9783827500359_CoverDer berühmte deutsche Maler Franz Marc, Gründungsmitglied der legendären Künstlergruppe Der Blaue Reiter, starb 1916 im Ersten Weltkrieg in den Schützengräben bei Verdun. Genau hundert Jahre nach seinem Tod erscheinen erstmals die Erinnerungen seiner zweiten Frau Maria Marc. Sie waren nie für eine Veröffentlichung bestimmt, sondern sollten lediglich den Nachfahren als Überlieferung für die Familiengeschichte dienen. Der Herausgeberin des vorliegenden Buches, Brigitte Roßbeck, ist es gelungen, eine von zehn handschriftlichen Versionen zu ersteigern und die Einwilligung der Erbengemeinschaft in eine Publikation einzuholen. Roßbeck hat die zugänglichen Versionen miteinander verglichen und eine lesbare Fassung erstellt, in der auch ursprüngliche Streichungen teilweise enthalten sind. Herausgekommen ist ein kurzweiliger Text mit der sehr persönlichen Sicht von Maria Marc, geborene Franck, auf die rund zehn Jahre währende intensive Begegnung mit Franz Marc, der viele interessante Details ihres Privatlebens und der damaligen Künstlerszene enthält.

Maria Franck wurde 1876 als Tochter eines Bankdirektors geboren. Diese Familiensituation war einerseits privilegiert, andererseits auch durch enge Konventionen bestimmt, in denen sich Maria nicht wohl fühlte. Nach einer Ausbildung zur Zeichenlehrerin für den Schuldienst, nahm sie eine Kunststudium auf, das sie schließlich  in die Künstlerszene nach Schwabing führte. Dort begegnete sie im Februar 1905 erstmals Franz Marc, doch erst ein Jahr später nach ihrer Rückkehr lernte sie ihn näher kennen und lieben. Franz Marc litt anfangs immer noch unter der Liebe zu der verheirateten Anette Simon, so dass seine Beziehung zu Maria schleppend und vorsichtig begann. Hinzu kam bald ein Dreiecksverhältnis mit Marie Schnür, die Franz Marc 1907 sogar heiratete. Bereits ein Jahr später wurde diese Ehe wieder geschieden, doch die daraufhin angestrebte Eheschließung mit Maria konnte nach deutschem Recht erst 1913 vollzogen werden.

Die Erinnerungen sind in einem einfachen Stil geschrieben und geben naturgemäß die subjektive Sichtweise von Maria Marc wieder. Immer wieder ist, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, von „schicksalhaften“ Ereignissen die Rede. Und doch ist es interessant zu lesen, auf welch schwierigem Weg Franz Marc als einem von vielen begabten Künstlern der Münchener Bohème schließlich der Durchbruch gelang. Die widrigen Lebensumstände allerdings, die Maria schildert, machen zumindest zum Teil verständlich, dass sie am Schluss ihrer Erinnerungen überraschend feststellt, „dass – falls ich gefragt würde, ob ich Franz wiederhaben wollte und alles so sein sollte wie damals oder ob ich mein Leben ohne ihn weiterleben wollte, ohne seine Gegenwart, aber mit allen Erfahrungen, die mir sein früher Tod brachte – ich ohne Besinnung zu wählen hätte, dass es bleiben müsse, wie es geworden war.“

Maria Marc: „Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen“. Mein Leben mit Franz Marc. Herausgegeben von Brigitte Roßbeck. Siedler Verlag, München 2016. 192 Seiten, gebunden. 19,99 €

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