Der Swing vom Ding – Band 22 der Jahresschrift „Das Gedicht“ ist selbst ein Faszinosum

114194489988„Die Dinge singen hör ich so gern“, dichtete einst Rainer Maria Rilke. Ein Beleg für die besondere Beziehung der Dichter zu den leblosen Gegenständen. Grund genug für den unermüdlichen lyrischen Tausendsassa Anton G. Leitner – vielleicht könnte man ihn gar den kleinen Michael Krüger nennen, denn er ist Autor, Verleger, Herausgeber und Förderer in einer Person – der poetischen Betrachtung der Dinge einen ganzen Band zu widmen, nämlich den 22. Band seiner Jahresschrift Das Gedicht. Mitherausgeber von Der Swing vom Ding – Die Lust am Objekt ist der Lyriker Hellmuth Opitz, der neben einem Gedicht auch zwei kurze Essays beisteuert. Der eine porträtiert den schwedischen Schriftsteller Lars Gustafsson und seinen Blick auf die Dinge. Der zweite widmet sich als „Notizen zu einer Poesie der Gegenstände“ der speziellen Thematik dieses Bandes und gibt dieser eine angemessene Fundierung.

Die versammelten Gedichte sind sehr verschiedener Art, variieren stark in der Form und der Qualität. Sechs Zeilen reichen Robert Höpfner für einen Text über eine vergessene „Glüh-Birne“, die angeblich „zum Leuchten“ anfängt. Da scheint aber eher falsches Deutsch durch. Dem entgegen steht das Langgedicht „Epitaph auf ein Paar Halbschuhe“ von Horst Samson, das deutlich gelungener drei ganze Seiten füllt. Es werden die unterschiedlichsten Gegenstände bedichtet: eine Brille, eine Zigarre, Raumanzüge, ein schwarzes Hemd, ein verlorenes Schäufelchen, Regenschirme und und und. Hellmuth Opitz verwendet als Stilmittel die Personifikation, um ein Bügeleisen als „Madame Rowenta“ zu Wort kommen zu lassen. Das Gedicht mündet in der letzten Zeile schließlich in eine Schlusspointe, was nicht zuletzt deutlich macht, dass es den Herausgebern weniger um tiefschürfende Lyrik ging als vielmehr um Spaß an lyrischen Texten.

„Wenn die Poesie ein Lebensmittel ist, dann sichert DAS GEDICHT die Überlebensration für ein ganzes Jahr.“ So bewirbt Anton G. Leitner seine Jahresschrift. Dem kann ich nicht zustimmen. Aber die vorliegende Ausgabe ist zumindest ein Leckerbissen für Lyrikfans. Sie ist selbst ein Ding, ein Ding voller Poesie, kein Fetisch zwar, aber doch ein Faszinosum.

„Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. / Ihr bringt mir alle die Dinge um.“, heißt es bei Rilke weiter. Das kann dem Band aber nun wirklich nicht nachgesagt werden. Im Gegenteil: er wertet die Dinge und unseren Alltag auf.

Das Gedicht Band 22: Der Swing vom Ding – Die Lust am Objekt. Herausgegeben von Anton G. Leitner und Hellmuth Opitz. Anton G. Leitner Verlag, München 2014. 160  Seiten, broschiert. 12,50 € 

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