„Stadtlandfluss“ – Eine großartige Lyrikanthologie aus Nordrhein-Westfalen

Cover_STADTLANDFLUSS_Lilienfeld Verlag 2014Was für eine feine Idee! Die Kunststiftung NRW feiert ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Lyrikanthologie. Und die beiden mit der Zusammenstellung beauftragten Herausgeber Jürgen Nendza und Hajo Steinert nutzen die Gelegenheit, einen Überblick und eine Würdigung nordrhein-westfälischer Poesie zu geben, ganz ausgezeichnet. Sie machen deutlich welche herausragenden und für den gesamten deutschsprachigen Raum bedeutsamen Lyriker dieses Bundesland hervorgebracht hat: Jürgen Becker, Ulla Hahn, Rolf Haufs, Thomas Kling und Marion Poschmann beispielsweise. Allein diese Namen zeigen zugleich, wie vielfältig die Lyrikszene in NRW war und ist. Nendza und Steinert präsentieren aber auch noch weniger bekannte Talente wie Tina I. Maria Gintrowski, Marie T. Martin, Hartwig Mauritz und Gerrit Wustmann. Ein ganz großer Verdienst der Herausgeber und der Kunststiftung liegt zudem darin, dass sie mit dieser Anthologie, die eine lyrische Retrospektive der letzten 25 Jahre darstellt, eine Reihe von außerordentlichen Autoren vor dem Vergessen bewahren: Adolf Endler, Hugo Ernst Käufer, John Linthicum, Peter Maiwald und Margot Schroeder im Besonderen.

Der Band ist nicht etwa thematisch geordnet, sondern alphabetisch nach den Autorennamen. Von jedem Lyriker wurden drei Gedichte aufgenommen. Diese Gleichgewichtigkeit vermeidet eine Rangfolge und ermöglicht einen nachhaltigen Eindruck von der Lyrik des jeweiligen Dichters. 111 Autoren haben die Herausgeber nach gründlicher Recherche für würdig befunden, macht also 333 Gedichte in einer wohlfeilen und preisgünstigen Ausgabe des ambitionierten Lilienfeld Verlages. Das Buch ist eine Fundgrube. Man findet alles darin: Sonette und Haikus, Liebesgedichte, Kindheitserinnerungen, moderne Heimatgedichte und auch Sprachexperimentelles. Auf was man jedoch nicht stößt, sind belanglose oder schlecht verfasste Texte.

Das Nachwort von Ulla Hahn rundet den gewichtigen Band nicht nur ab, es erhöht ihn zugleich: „Der Leser dieser Gedichte lernt nicht nur Städte, Landschaften, Menschen, Autoren dieses Bundeslandes kennen. Er erhält zugleich einen Überblick über Ausdrucksformen des modernen Gedichts. Und so reichen die hier versammelten Gedichte weit über NRW hinaus, in den gesamten deutschen Sprachraum hinein. Und, da nichts veraltet in der Kunst, auch hinein in die Zukunft und die Lust am Gedicht.“

Ich gestehe, dass ich selbst auch mit drei Gedichten in dieser Anthologie vertreten bin. Das belegt zwar meine Befangenheit bei der Besprechung dieses Buches. Aber es kann meine Forderung nicht in Frage stellen, dass dieses einzigartige Werk in keiner Stadtbibliothek in NRW fehlen darf, wenn diese Einrichtung denn noch den Anspruch hat, Kultur zu bewahren und ihre Weiterführung anzuregen.

Stadtlandfluss. 111 Dichterinnen und Dichter aus Nordrhein-Westfalen. Eine Lyrikanthologie. Herausgegeben von Jürgen Nendza und Hajo Steinert. Mit einem Nachwort von Ulla Hahn. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2014. 536 Seiten, gebunden. 19,90 €.
(Schriftenreihe der Kunststiftung NRW Literatur, Band 4)

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2 Gedanken zu “„Stadtlandfluss“ – Eine großartige Lyrikanthologie aus Nordrhein-Westfalen

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