Logbuch Lyrik (4): „InZwischen“ von Wolfam Malte Fues

Fues, InZwischen_Cover_120614.inddInzwischen wird die feine Lyrikedition 2000, die einst Heinz Ludwig Arnold (1940-2011) begründet hat, vom Lyriker Florian Voß herausgegeben. Sie fördert immer mal wieder echte Schätze zu Tage, wie zuletzt den Gedichtband die markisen rollen den nachmittag aus von Frank Schmitter. Die neuste Veröffentlichung in dieser Reihe des Allitera Verlags stammt von Wolfram Malte Fues, der mit InZwsichen seinen fünften Gedichtband vorlegt. Fues wurde 1944 in Bremen geboren und arbeitete vielerorts, vornehmlich in Basel, als Germanistikdozent. Äußerlich sticht dieser Band hervor, weil eine Grafik die Titelseite bereichert. Auch der Innenteil enthält auf jeder ungeraden Seite eine Zeichnung des Künstlers Thitz. Dadurch ergibt sich ein Problem: die Vielzahl der Grafiken drängt die Texte stark zurück, zumal diese auf den geraden Seiten abgedruckt sind, der Blick des Lesers also erst einmal auf die Zeichnung fällt. Unbestritten korrespondieren die Gedichte und die Zeichnungen, die teilweise sogar auf die Textseite ragen, auf weitgehend gelungene Weise. „Im Augenblick verharren. Die Augen schweifen lassen. Die Eindrücke, das Denken über die Eindrücke wie von Aussen betrachten.“, so bewirbt der Umschlagtext diesen Band. Es stellt sich dabei immer wieder auch die Frage, was war zuerst, der Text oder die Zeichnung?

Gleichwohl bleibe ich dabei, dass die lyrischen Texte zu kurz kommen. Das liegt auch daran, dass sie vielfach selbst sehr knapp gehalten sind: „deine augen / meine augen // nec mihi / nec tibi / non dividatur.“ Die durchgehende Kleinschreibung taucht nur gelegentlich auf, auch die Verwendung von Satzzeichen erfolgt uneinheitlich. Die Gedichte tragen keinen Titel, lediglich dem Inhaltsverzeichnis ist zu entnehmen, dass die erste Zeile eines Gedichts zugleich sein Titel ist. Sie sind zudem nicht in Kapitel gegliedert.

Fues wollte mit diesem Band die Zwischenräume verschiedenster Art ausleuchten, darstellen, was sich in den Fugen, den Ritzen befindet. Das gelingt jedoch nur sehr eingeschränkt. Es ist kein klares Konzept erkennbar. Stilmittel wie Aufzählungen, Wiederholungen („Ich sehe den Kirschbaum“) und englischsprachige Einsprengsel  bewirken nicht den erhofften Gewinn an poetischer Tiefenschärfe. Ansprechender und wirkungsvoller sind die längeren Gedicht von Wolfram Malte Fues. Auch die Texte, die sich mit dem Älterwerden beschäftigen, schaffen es, den Leser zu berühren.

Wolfram Malte Fues: InZwischen. Gedichte. Mit Zeichnungen von Thitz. Lyrikedition 2000 (Allitera Verlag), München 2014. 128 Seiten, broschiert. 16,50 €. 

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