„Der Holzvulkan“ – Hans Pleschinski erzählt erneut die Geschichte eines größenwahnsinnigen Herzogs

9783406667534_largeDer Münchener Schriftsteller Hans Pleschinski erhält in diesem Jahr den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld für seinen Thomas-Mann-Roman „Königsallee“, der zugleich ein Düsseldorf-Roman ist. Deshalb interessierte ich mich für seine neuste Veröffentlichung „Der Holzvulkan“. Leider musste ich sogleich feststellen, dass es sich dabei keineswegs um eine Neuerscheinung, sondern lediglich um die Neuausgabe eines bereits 1986 und dann noch einmal 1995 verlegten Bandes handelte. Offenbar wurde es erneut gedruckt, um des 300. Todestag des merkwürdigen, kulturwütigen Monarchen, des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (1633-1714), zu gedenken. Denn literarisch ist diese Erzählung, die sich im Untertitel „Ein deutscher Festbrief“ nennt, wenig ergiebig. Der Erzählstil ist traditionell, um nicht zu sagen altbacken. Im Rahmen eines Briefes berichtet ein amerikanischer Student an seinen Freund Charles von einer wenig glaubwürdigen Begegnung mit dem Bibliothekar der bekannten Wolfenbütteler Bibliothek. Letzter erzählt dem Studenten vor Ort die Geschichte des größenwahnsinnigen Herzogs und seines inzwischen vom Erdboden verschwundenen Schlosses Salzdahlum, das Versailles und anderen europäischen Stätten Konkurrenz machen wollte, leider aber den Makel hatte, dass es aus Kostengründen nur aus Holz erbaut wurde und deshalb keinen Bestand für die Ewigkeit hatte.

Der als Brief deklarierte und durch entsprechend eingefügte Floskeln und Anreden als solcher gestaltete Text enthält viel wörtliche Rede, sogar einige Dialoge, die angeblich erinnert wurden. Der Spannungsbogen ist mäßig. Erst das extra für die Neuausgabe verfasste Nachwort von Gustav Seibt macht deutlich, dass diese Brieferzählung bei ihrem Erscheinen Mitte der achtziger Jahres etwas Besonderes darstellte. In der Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung erzählte ein noch relativ unbekannter Autor eine heitere Geschichte eines deutschen Monarchen und Kunstfreunds, der als Utopist zwar kein Luftschloss, aber doch ein Holzschloss errichtete, das nach gut 100 Jahren nach und nach verschimmelte. Diese historische bedingte Bedeutsamkeit dieser Erzählung ist jedoch nach knapp 30 Jahren verflogen. Insofern wird der Text seinem Gegenstand gerecht. Er ist auch nur aus Holz.

Hans Pleschinski: Der Holzvulkan. Ein deutscher Festbrief. Mit einem Nachwort von Gustav Seibt. Verlag C.H. Beck, München 2014. Klappenbroschur. 96 Seiten. 12,95 €

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