Schriften des Ortsvereins KölnBonn der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft – Bände 7 und 8

Assmann_vorderseite2Im Unterschied zur Düsseldorfer Thomas Mann Gesellschaft etwa, die im zweijährigen Turnus einen Sammelband mit den Vorträgen herausbringt, publiziert der Ortsverein KölnBonn der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft ausgewählte Vorträge als Einzelbände einer kleinen, aber sehr feinen Schriftenreihe. Diese Reihe startete 2009  im Bernstein-Verlag der Gebrüder Remmel mit einem Band des bekannten Thomas-Mann-Biographen Hermann Kurzke über Glaube und Sprache bei Thomas Mann. Ihm folgten u.a. Schriften von Helmut Koopmann und Heinrich Detering. Die Reihe griet ins Stocken, nachdem die Gebrüder Remmel ihre Verlagsbuchhandlung R2 in Siegburg eröffnet hatten und nicht mehr all ihren Projekten nachkommen konnten. So suchte der Ortsverein einen neuen Verlag für seine Schriftenreihe und fand ihn schließlich bei Felix Böttger in Düsseldorf, wo nun in ähnlicher Aufmachung die Bände sieben und acht veröffentlicht wurden.

Die Autoren der beiden neuen Bände sind keine typischen Germanisten, sondern nähern sich dem Werk Thomas Manns aus anderen Disziplinen. Jan Assman ist ein bekannter Ägyptologe und Religionstheoretiker und so in besonderer Weise qualifiziert den Gott-Mythologien in den Josephsromanen nachzuspüren. In seinem verschriftlichten Vortrag geht es um drei Gott-Erzählungen: „die Welt der archaischen Mythen, den Mythos des neuen, von Abraham hervorgedachten Gottes und Thomas Manns eigenen Mythos, den Mythos des werdenden Gottes.“ Assman zeigt, wie Thomas Mann enstprechend des ersten Satzes der Josephromane „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.“ aus diesem Brunnen schöpft und dabei Mythos und Monotheismus nicht als einen sich ausschließenden Gegensatz sieht, sondern als „zwei sich ergänzende Seiten eines vollkommenen Menschentums“. Er stellt zudem die Originalität dieser Romane heraus, die aus den Quellen des Judentums Humanismus schöpfen.

Ruetten_umschlag

Der habilitierte Mediziner Thomas Rütten, der sich an der University Newcastle mit Geschichte der Medizin beschäftigt, belegt in Form einer Probebohrung an der Erzählung Das Eisenbahnunglück von 1909, die auf einem persönlich erlebten Unfall Thomas Manns drei Jahre zuvor basiert, dass sich Manns literarisches Werk „als hochdifferenzierte Antwort auf das Krankheitsstigma der Moderne“ lesen lässt. Auch wenn nicht all seine Belege überzeugen können, wie die überinterpretierte Stelle des Rauchens einer Zigarre und seine libidinöse Deutung durch Freud, so beeindrucken das genaue Lesen des Interpreten sowie seine umfassenden medizinhistorischen Kenntnisse. Das intellektuelle Lesevergnügen wird durch den exorbitanten Gebrauch von Fremdwörtern gleichwohl etwas getrübt: da werden „semantische Reize amplifiziert, pluralisiert und so aggraviert“, da ist von „‚anormalen‘ Instanzenpriorisierung“ die Rede und man fragt sich, ob es dieser Wissenschaftssprache wirklich bedarf, um die Zusammenhänge einem interessiertem Publikum zu verdeutlichen.

Es ist uneingeschränkt zu begrüßen, dass diese Schriftenreihe fortgeführt wird und in unserem  flüchtigen Zeitalter temporäre Vorträge über das noch lange nicht vollständig durchleuchtete Werk von Thomas Mann in dieser sorgfältig editierten Schriftenreihe bewahrt und zugänglich gemacht werden.

Jan Assmann: Die Gott-Mythologien der JosephsromaneVerlag F. Böttger, Düsseldorf 2013. 35 Seiten, broschiert. 6,00 € (Schriften des Ortsvereins KölnBonn der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft Band 7)

Thomas Rütten: Thomas Mann und das Krankheitsstigma der Moderne: Das Eisenbahnunglück von 1906 und Das Eisenbahnunglück von 1909. Verlag F. Böttger, Düsseldorf 2013. 45 Seiten, broschiert. 6,00 € (Schriften des Ortsvereins KölnBonn der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft Band 8)

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