„Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ – Was macht eigentlich Christoph Peters?

Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln von Christoph PetersGleich zwei große Namen gaben sich im Rahmen der Reihe „Was macht eigentlich …?“ am heutigen Abend die Ehre im Niederrheinischen Literaturhaus Krefeld: der 1999 mit dem Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld ausgezeichnete Schriftsteller Christoph Peters und der Literaturkritiker der Wochenschrift Die Zeit Hubert Winkels, der außerdem durch seine zahlreichen Fernsehauftritte in der Kulturzeit bekannt ist.  Dem Bekanntheitsgrad entsprechend war der Vortragsraum im Otto-Brües-Haus ausverkauft.

Vor fünfzehn Jahren erhielt Peters den Literaturpreis. Er lebt längst nicht mehr in der Region, sondern wie so viele zeitgenössische Schriftsteller in Berlin. Doch diese Reihe zeigt, wie wichtig sie für den Niederrhein ist. Bereitwillig erzählte Christoph Peters von seiner Kindheit im 390 Seelen-Dorf Hönnepel bei Kalkar, wo er 1966 geboren wurde, von seiner Zeit im katholischen Internat Collegium Augustinianum Gaesdonck und wie dieser Raum ihn prägte. Es sprudelte geradewegs aus Peters heraus:  eloquente Ausführungen über die Melancholie der weiten niederrheinischen Landschaft und seine persönliche Gegenbewegung im alpinen Schullandhein durch die Bergbesteigung als Gottesannäherung. Den geschickten Impulsen von Hubert Winkels war es zu verdanken, dass der rote Faden der Veranstaltung nie verloren ging. Auf die Frage, was denn den Niederrheiner auszeichne, antwortete Peters mit einem Zitat seines Kunstlehrers und Beuys-Förderers Franz Josef  van der Grinten: „Der Niederrheiner hat Liberalität gepaart mit Grundsätzlichkeit.“

Einen anderen thematischen Schwerpunkt der Abends bildete Peters Faszination für den Orient, wie sie sich insbesondere in seinem Roman „Ein Tuch aus Nacht“ manifestiert. Er beschrieb die geometrische und florale Ornamentik als Zeichen für eine geordnete Welt und die Frage nach dem Religiösen, die ihn seit seiner Jugend umtreibt.

Wohltuend gelassen leitete Winkels weiter zu Peters intensiver Beschäftigung mit der japanischen Kultur, an der den Autor besonders die Spiritualität des ästhetischen Handelns interessiert und die bereits als Leitmotiv in zwei Romanen auftaucht. So auch in seinem neuen Roman Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln. Der Auszug daraus, den Peters abschließend vortrug, überraschte und überzeugte gleichermaßen durch seinen humoristischen Zugriff auf das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen.

Der Abend machte neugierig auf die Bücher von Christoph Peters, die man noch nicht gelesen hat. Und er unterstrich eindrucksvoll das überzeugende Konzept dieser Veranstaltungsreihe. Die Stadt Krefeld vergisst ihre Preisträger nicht, sondern interessiert sich für deren weiteren Werdegang und ihren Blick auf den Niederrhein. Nach  Herbert Genzmer, Andreas Mand und Gisbert Haefs war Christoph Peters nun der vierte Autor, mit dem dieser Kontakt gepflegt wurde. Zudem wurde deutlich, welchen großen kulturellen Gewinn die Region hätte, wenn der Niederrheinische Literaturpreis wieder jährlich vergeben würde!

Christoph Peters: Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2014. 224 Seiten, gebunden. 18,99 €.

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2 Gedanken zu “„Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ – Was macht eigentlich Christoph Peters?

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