Die Schlümpfe – eine komplette Neuausgabe aller Comic-Alben

schlumpf_cover01Wer kennt sie nicht? Die kleinen blauen Wichte mit ihrer besonderen Sprache: die Schlümpfe, besonders beliebt als Spielfiguren, aber auch als TV-Serie, Musikinterpreten und natürlich als Comic.  Nachdem der Hamburger Carlsen Verlag die Originalserie, die zuerst auf Französisch erscheint, in den letzten Jahren nicht mehr weiter als Comic-Alben veröffentlicht hat, haben die Schlümpfe in Deutschland nun endlich eine neue verlegerische Heimat gefunden. Der Bielefelder Splitter Verlag publiziert unter seinem Cartoon-Label toonfish seit März 2011  in einer Neuübersetzung die umfassendste jemals in Deutschland publizierte Schlümpfe-Ausgabe. Zunächst erschienen monatlich zwei Alben und zwar in der pfiffigen Variante, dass einerseits die Reihenfolge streng chronologisch eingehalten wird und gleichzeitig auch auf Deutsch bisher unveröffentlichte Alben in der umgekehrten Reihenfolge erscheinen. So kamen im ersten Monat die Alben 1 und 28 auf den Buchmarkt, im zweiten Monat die Alben 2 und 27 usw. Auf diese Weise war die Neuausgabe nicht nur für passionierte Sammler, sondern auch für alte und neue Leser gleichermaßen interessant.

schluempfe_32_kleinDie ersten beiden Bände der verdienstvollen Neuausgabe umfassten das Album „Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe“ aus dem Jahr 1963, das neben der Titelgeschichte noch die beiden Abenteuer „Der gefangene Schlumpf“ und „Der fliegende Schlumpf“ enthält, sowie als neustes Album „Schlumpfine greift ein“ aus dem Jahr 2011. Die Spannweite von 48 Jahren, die zwischen den Erstveröffentlichungen dieser beiden Comic-Bände liegt, offenbart den traditionellen Kern der Schlumpfgeschichten ebenso klar wie die Neuerungen, mit denen die Konzeption des Belgischen Schöpfers Peyo (1928-1992) behutsam an den Zeitgeist angepasst wird. Die Episode „Der gefangene Schlumpf“ berichtet vom immerwährenden Versuch des bösen Zauberers Gargamel, der in früheren deutschen Übersetzungen Gurgelhals hieß, Schlümpfe zu fangen und sie für seine Zaubertränke zu verwenden, unterstützt von seinem Kater Azrael, der früher den Namen Uriel trug. Knapp fünfzig Jahre später taucht dieser ewige Kampf auch im neuen Album mit Schlumpfine auf. Zwar gelingt es Gargamel in beiden Geschichten einen Schlumpf zu fangen, kann aber seine rechtzeitige Befreiung durch die anderen Schlümpfe, die sich immer neue Tricks einfallen lassen, nicht verhindern. Schlumpfine wiederum unternimmt mit Papa Schlumpfs Hilfe erfolgreich Taten, um ihr Image als Blondchen loszuwerden. Die Schlümpfe erkennen schließlich, wie wertvoll sie mit weiblicher Intuition und Entschlusskraft für diese mittelalterliche Gemeinschaft ist.

Der Schriftsteller Dietmar Dath hat in seinem lesenswerten Essay über die Schlümpfe „Sprechendes blaues Popcorn aus dem Wald“ von 2005 herausgestellt, dass das Schlumpfdorf (Schlumpfhausen) den simpelsten Polder in der Fantasy-Literatur bildet. Als Polder wird dabei ein lebendiger Mikrokosmos bezeichnet, der sich gegen die Verkehrtheit und Andersartigkeit der Welt ringsum behauptet. Bekanntestes Beispiel dafür ist das gallische Dorf in der Asterix-Serie. Die dörfliche Idylle der Schlümpfe ist ständig bedroht. Wenn es nicht Gargamel und Azrael sind, die ihnen gerade zusetzen, dann ist es die Mücke BZZ, deren Stich die Schlümpfe in aggressive Schwarzschlümpfe verwandelt. Oder es sind die Schlümpfe selbst, die dem Alltag durch neue Ideen zu entkommen versuchen und ihre Mitschlümpfe in Aufregung versetzen. So wie ein Schlumpf alles unternimmt, um seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen, genauso nachdrücklich werden es in den späteren Bänden der Bastelschlumpf, der Zauberschlumpf, der Astronautenschlumpf, der Reporterschlumpf, der Finanzschlumpf und andere Schlümpfe auch versuchen. Am Schluss der Geschichte hat der Schlumpf seinen Traum ausgelebt und es herrscht wieder eitel Sonnenschein im patriarchischen Schlumpfdorf.

Nach wie vor gehören die Schlümpfe zu den beliebtesten und meist nachgefragten Comics für Kinder. Dazu beitragen wird die deutsche Neuübersetzung bei toonfish, die geschickt den sprachlichen Wandel aufgreift und flotte, zeitgemäße Formulierungen findet, ohne den Charme der alten Schlumpfgeschichten zu verlieren. Die Gesamtausgabe ist auf 32 Bände konzipiert, nicht nur für Sammler ein schlumpfiges Vergnügen. Der letzte Band „Die Schlümpfe und der verliebte Zauberer“ erscheint im Juli diesen Jahres.

Die Schlümpfe Band 1: Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe. toonfish, Bielefeld 2011. 64 Seiten, gebunden. 12,95 €
Die Schlümpfe Band 32: Die Schlümpfe und der verliebte Zauberer. toonfish, Bielefeld 2014. 48 Seiten, gebunden. 11,95 € 

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