Frank Schmitter „Späte Ruhestörung“ – ein spannender Krefeld Krimi

schmitter1Während sich gemeinhin die Bezeichnung „Niederrhein Krimi“ durchgesetzt hat, trägt dieses Buch, das im renommierten Piper Verlag als Paperback erschien, tatsächlich den Untertitel „Ein Krefeld-Krimi“. Leider blieb es das einzige seiner Art.

Der gebürtige Krefelder Frank Schmitter (Jahrgang 1957) lässt seinen Kommissar mit dem sprechenden Namen Tristan Lage in einem brisanten Fall ermitteln. Ausgerechnet der langjährige Oberbürgermeister ist in den Nieper Kuhlen ermordet worden – gestorben an einer Überdosis seines Herzmittels. Lages Ermittlungen führen ihn weit zurück in die Krefelder Geschichte, genauer gesagt zu den letzten Monaten des Nationalsozialismus. Anfang 1945 kämpft das Deutsche Reich an den Fronten mit dem letzten Aufgebot einen aussichtslosen Kampf. Zu Hause helfen abertausende von Fremdarbeitern mit, die Grundversorgung zu sichern. Einer dieser Fremdarbeiter, der in den Krefelder Stahlwerken arbeitet, kommt der Angebeteten des späteren Oberbürgermeisters zu nahe. Letzterer sorgt dafür, dass der Fremdarbeiter von der Gestapo ermordet wird. Diese Vergangenheit holt den Oberbürgermeister schließlich im Dezember 1993 ein – in diesem Monat spielt der gesamte Roman.

Kenntnisreich, weil sehr detailliert recherchiert, führt Frank Schmitter uns den Einsatz von Fremdarbeitern als dunkles und wenig bekanntes Kapitel der deutschen Vergangenheit vor Augen. Auch fast fünfzig Jahre danach schweigen Tristan Lages Eltern zu diesem Thema, exemplarisch für eine ganze Generation.

Als Rahmenhandlung dient das Privatleben von Kommissar Lage, der nach einer dreijährigen Beziehung seit einem Jahr alleine lebt und immer noch nicht über die Trennung hinweg ist. Mit der attraktiven Praktikantin Claudia Poschmann aus Dortmund kommt es dann, entgegen der Erwartungen des Lesers, doch nicht zu mehr als zu einem Zungenkuss in einer Umkleidekabine.

Frank Schmitters Roman ist sehr sorgfältig geschrieben. Die Spannung wird subtil erzeugt. Er legt keinen Wert auf Action, dafür aber umso mehr auf schlüssige und differenzierte Personenbeschreibungen. Schmitter nutzt das Genre des Kriminalromans überzeugend für einen tiefen Einblick in ein sehr unrühmliches Kapitel der deutschen Heimatgeschichte.

Frank Schmitter: Späte Ruhestörung. Ein Krefeld-Krimi. Piper Verlag, München 2006. 284 Seiten.

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3 Gedanken zu “Frank Schmitter „Späte Ruhestörung“ – ein spannender Krefeld Krimi

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