Silke Scheuermann „Emma James und die Zukunft der Schmetterlinge“ – ein ambitioniertes Kinderbuch

u1_978-3-596-80954-7Im ersten Kinderbuch der Lyrikerin und Romanautorin Silke Scheuermann blickt ein Mädchen in die Zukunft und versucht sie zu verändern.

Es ist sehr selten, dass sich für ihre Erwachsenenliteratur ausgezeichnete Schriftsteller(innen) mit einem Male in die Niederungen der Kinderliteratur wagen, obwohl es so berühmte Vorgänger – und somit auch Vorbilder gibt – wie Erich Kästner. Auch Silke Scheuermann hat sich bereits als Lyrikerin einen Namen gemacht. Nun legt sie ihr erstes Kinderbuch vor, möglicherweise auf Anregung des Herausgebers der besonders avanciert daherkommenden Reihe „Die Bücher mit dem blauen Band“, die im Fischer Verlag vom Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Tilman Spreckelsen betreut wird. Man merkt dem Buch jedenfalls an, dass sich hier jemand vorsichtig auf neues Terrain wagt. Eindrücke und Erlebnisse aus der eigenen Kindheit werden fiktiv aufbereitet und in die Gegenwart übertragen.

Die Situation, die Scheuermann in ihrem Roman für Kinder ausbreitet, ist keine alltägliche. Beide Hauptfiguren, sowohl die elfjährige Emma James als auch ihr ein Jahr älterer Freund Paul, sind sehr auf sich alleine gestellt und unternehmen beinahe täglich Sachen, die eigentlich der Kontrolle der Erziehungsberechtigten unterliegen müssten. Während im Fall von Emma James der Grund für diese Vernachlässigung der Aufsichtspflicht der Eltern überzeugend in der schweren Lungenkrankheit ihres jüngeren Bruder dargestellt wird, wirkt die Begründung im Fall von Paul, der auf einen Internatsplatz wartet und aufgrund eines Attests zu Hause bleiben darf und in seiner ganztägigen Freizeit vielfältigen Aktivitäten nachgeht, nur bedingt realistisch konstruiert.

Scheuermann erzählt zwar die gesamte Geschichte ausschließlich aus der Sicht von Emma James, wählt dafür aber nicht die nahe liegende und zumeist in solchen Büchern verwendete Ich-Perspektive. Dadurch wirkt der Blick auf das Geschehen distanzierter und gerade jungen Lesern fällt es leichter, eine eigene Position zum Handeln der Hauptfigur aufzubauen.

Die Handlung entwickelt sich nur sehr langsam. Besonders das Geschehen um die Theateraufführung mit einem Hund, den die beiden Kinder ausführen, trägt kaum etwas zum eigentlichen Thema dieses Buches bei. Dieses behandelt nämlich die interessante Frage: Kann man selbst die Zukunft verändern? Emma James stellt sich diese Frage nachdrücklich, da sie über die besondere Gabe verfügt, in die Zukunft blicken zu können. Denn ab und zu erscheinen, angekündigt von Kopfschmerzen, Bilder vor ihrem inneren Auge, die Ereignisse darstellen, die in der nahen Zukunft liegen. Zunächst betreffen diese eher banale Gegebenheiten. Erst als ein Wachtraum von der anstehenden Operation ihres kleinen Bruders handelt und Unheil verkündet, gewinnt der Handlungsverlauf deutlich an Fahrt und es kommt endlich Spannung auf. Letztendlich wendet sich alles zum Guten. Und nachdem Emma James ihre Mutter vor einem allergischen Schock bewahren konnte, verliert sie ihre besondere Begabung, in die Zukunft blicken zu können.

Scheuermanns Ausflug in die Kinderliteratur wirkt an vielen Stellen bemüht, ihre letzter Gedichtband „Über Nacht ist es Winter“ (2007) und einige ihrer Erzählungen, „Krieg oder Frieden“ etwa, sind demgegenüber auf ganz andere, sehr überzeugende Weise literarisch durchkomponiert. Und doch wünscht man sich, dass sich die Autorin auf einen weiteren Ausflug in dieses Genre einlässt. 

Silke Scheuermann: Emma James und die Zukunft der Schmetterling. Mit Vignetten von Franziska Harvey. Fischer Schatzinsel, Frankfurt am Main 2012. 256 Seiten, broschiert. 7,99 €  

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